Medaillon Text

Brief vom 21. April 1707

von Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans
an Raugräfin Amalie Elisabeth zu Pfalz


358.


[018]

A mad. Amelie Elisabeth, raugraffin zu Pfaltz, a Paris.[1]

Versaille, gründonnerstag den 21 April 1707.
[2]Hertzliebe Amelisse, ich bitte Eüch, sagt ahn Louise, daß es mir recht leydt, daß sie kranck ist! Hoffe doch, daß, weillen es nur ein schnupen, daß es hernacher eine größere undt beßere gesundtheit erfolgen wirdt; der schnupen solle daß hirn undt den leib gantz purgiren. Ich wünsche, daß Louise so woll daß gutte alß daß böße vom husten undt schnupen entpfinden möge. Ich glaube nicht, daß ein ort in der welt ist, wo der husten undt schnupen nicht regirt hatt. Es muß etwaß in der lufft [sein]; hir seindts alle menschen geweß[en] vom ersten biß auff den letzten; alle closter, waß man nur weiß, hört undt [sicht], hatt über den husten undt schnupen geklagt. Mein dochter schreibt mir, daß es zu Luneville auch so geweßen; die königin in Spanien sagt, daß es zu Madrit auch so geweßen, also [019] ahn allen enden; den zu Turin auch, zu Modene dergleichen undt mich deücht, mademoiselle de Malauze klagt auch in Engellandt drüber. Ich habe nur einen brieff von meinem sohn bekommen, seyder er verreist; er ist ein fauller schreiber. Dancke Eüch von hertzen vor alles guts, so Ihr meinem sohn wünscht. Wir haben hir gar schön wetter, aber seyder gestern kan ich mirs nicht zu nutze machen; den wir seindt nun in der carwochen, wo man gar lang in den kirchen ist. Ich bin heütte zum h. abendtmahl gangen. Die historger von der redoutte, von allen die rendevous hatt mir ma tante verzehlt, sie seindt possirlich. Adieu, liebe! Ich habe dieße nacht schir kein aug zu gethan; den ich bin nach ein uhr schlaffen gangen, vor 7 auffgestanden undt erst lang nach halb 3 eingeschlaffen, umb 6 bin ich wider wacker worden. Es schlaffert mich, daß ich kaum die augen auffhalten kan, aber schlaffendt oder wachendt werde ich Eüch undt Louise doch von hertzen lieb behalten.
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Brief vom 21. April 1707 von Elisabeth Charlotte an Amalie Elisabeth zu Pfalz
in: Briefe der Herzogin …, Hg. W. L. Holland, Band 2 (1871), S. 18–19
Onlinetext URL: https://www.elisabeth-charlotte.eu/b/d02b0358.html
Änderungsstand:
Tintenfass